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So baut man ein Wildbienenhotel

Es ist Zeit mal was für Wildbienen zu tun. Nur durch ihre Bestäubungsleistung blüht so vieles um uns herum und trägt Früchte. Doch ihnen fehlt geeigneter Wohnraum – auch, weil wir immer mehr Platz brauchen und weil Brachen und freie Flächen verschwinden. Gerne nehmen die kleinen Krabbler mit Schutt und alten Bäumen, mit Steinhaufen und manchmal auch mit Sperrmüll-Teilen Vorlieb, um sich Nester zu bauen.

 

Bauen statt kaufen

Statt Brachflächen kann man ihnen aber auch den heimischen Balkon oder Garten anbieten und hier neuen Lebensraum schaffen. Sogenannte Insekten- bzw. Wildbienenhotels – beide Namen sind gebräuchlich – kann man fertig kaufen und selber bauen. Im Internet wird man zwar schnell fündig – Bauanleitungen gibt es zuhauf. Doch dabei kann man viel falsch machen. Vor allem die fertigen Varianten haben viele Mängel.

"Fertige Insektenhotels sind oft aus behandeltem Holz, voll von Schadstoffen und manchmal auch unsauber verarbeitet, voller Splitter", warnt Melanie von Orlow vom Nabu Berlin. Die Biologin ist überall dort im Einsatz, wo Hummeln-, Hornisse- oder Bienenschwärme in Berlin eingefangen und umgesiedelt werden sollen. Aber auch zum Ansiedeln von Wildbienen auf Großstadtbalkons hat sie Tipps.

Dose, Holzklotz oder Blumentopf

Am einfachsten geht das, indem man ein paar Bambusröhren – wenn möglich mit verschiedenem Durchmesser – in eine leere Konservenbüchse steckt, diese in eine Balkonecke legt und so fixiert, dass die Öffnungen waagrecht sind. Die Röhren können unterschiedlich lang, müssen aber unbedingt hinter geschlossen sein.

 

Man kann aber auch einen Holzklotz oder eine dicke Scheibe eines Baumstammes nehmen – hierbei empfiehlt sie Obstbaum – und ein paar Löcher hinein bohren. "Diese dürfen nicht zu groß sein, die gebohrten Gänge sollten sich nicht berühren und am anderen Ende geschlossen bleiben", sagt von Orlow. Zu groß wäre übrigens schon alles über acht Millimeter, denn Insekten und besonders die kleinen wilden Wespen mögen es eng und schmal. Für die Länge der gebohrten Gänge gibt es eine Faustregel: "Die Löcher sollten zehn Mal so tief sein wie ihr Durchmesser", erklärt die Wildbienenexpertin.

 

Als dritte Variante nennt sie dann einen alten Blumentopf, den man mit Lehm füllt und mit dem Finger ein paar Kuhlen hineindrückt. Löcher und Gänge bohren sich die Tierchen dann in den weichen, luftgetrockneten Matsch ganz alleine.

 

Nachbau, aber richtig

Man muss also gar nicht so einen Aufwand betreiben und versuchen ein Wildbienenhotel so nachzubauen wie es fertig verkauft wird – natürlich ohne die beschriebenen Mängel. Aber man kann: Dazu schraubt man sich am besten aus ein paar Brettern einen Kasten zusammen – ähnlich eines großen Setzkastens.

 Und jetzt zur Füllung: In dieser Variante des Wildbienenhotels kann man jede der Unterteilungen des Kastens verschieden füllen – mit Bambus, einem Holzblock mit Löchern und mit Lehm. Umso abwechslungsreicher das Material und damit auch die Größe der Löcher, umso mehr Käfer-, Bienen- und Wespenarten finden hier Unterschlupf. Die kleinsten Wildbienen sind beispielsweise nur etwa einen Millimeter groß, die größten bis zu drei Zentimeter.

 

In Deutschland gibt es über 550 Arten, in Berlin knapp 300. Und ihnen einen Unterschlupf anzubieten, bedeutet keinesfalls plötzlich das große Krabbeln auf dem Balkon zu haben. Denn die wilden Arten leben allein, sie sind meist schüchtern und menschenscheu. "Und sie lieben die Sonne. Das Insektenhotel sollte immer in der Sonne stehen, vor Wind und Regen geschützt", fügt von Orlow hinzu. Etwas wählerisch könnten die Wildbienen bei Hochhäusern werden. Alles, was höher als der fünfte Stock ist, wird sie wahrscheinlich kaum interessieren.

Berliner Honig im Supermarktregal

Wie der Honigverkauf über die Bärengold GmbH funktioniert

 

Mit einem Keller voller Honigeimer ging es los. Eimer voller bestem Berliner Stadthonig. Annette Mueller entdeckte sie bei ihrem Imkerpaten und konnte kaum glauben, dass er ihn nicht schon längst verkauft hatte. Sich um Honigvermarktung, um Gläser, Etiketten und womöglich noch ein bisschen Werbung drumherum zu kümmern, war allerdings nicht das, was der ältere Herr im Sinn hatte, als er einst begann zu imkern. Er wollte an den Bienen arbeiten, sie beobachten und eigenen Honig für sich, die Familie, Freunde und vielleicht auch ein paar Leute ernten, die ihn sich bei ihm an der Haustür abholen. So stapelten sich die Honigeimer, denn die Anzahl seiner Bienenvölker wuchs wie von selbst. Annette fand es schade, dass so viel von dem leckeren Imkerhonig sichtbar einstaubte statt gegessen zu werden. Doppelt schade, dass Berliner Honigliebhaber stattdessen im Supermarkt meist zu den bekannten Gläsern der industriellen Großvermarkter greifen mussten. Vor ihrem Start mit eigenen Bienenvölkern in Berlin, war sie einige Jahre in den USA und hatte dort in dieser Zeit im Supermarkt lokalen Honig aus Baltimore entdeckt.

Zurück in Berlin stellte Annette fest, dass es hier lokalen Honig kaum im normalen Supermarkt zu finden gibt. Sie wollte es selbst versuchen mit der Bienenhaltung und aus der Entdeckung im Keller ihres Imkerpaten entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Partner, Jens-Michael Lehmann (Jemi genannt) spontan die Idee, Berliner Stadthonig von anderen Imkern zu vermarkten. Sie wollten so gleichzeitig eine Art Marke für das lokale Produkt „Berliner Stadthonig“ schaffen und eine Lücke im Sortiment der Supermärkte füllen. Denn von Anfang an stand für die beiden fest, dass sie den Honig nicht hauptsächlich in Feinkostläden und Touristen-Shops anbieten wollen. Er sollte in die Supermarktregale. Dorthin, wo die ganz normalen Leute einkaufen und so auch vielleicht mehr Interesse an lokalen und regionalen Produkten bekommen.

Annette und Jemi gründeten eine Honigmanufaktur, die mehr ist als ein Abfüllbetrieb. Der Honig der Imker sollte so individuell bleiben, wie er ist. So hat jedes Glas der im Jahr 2011 startenden Berliner Bärengold GmbH einen eigenen Imkerstempel mit Namen des Imkers und der Angabe des Standorts der Bienenvölker. Es wird nichts gemischt, weiterverarbeitet oder verändert. Der Honig bleibt so, wie ihn der Imker in den Firmenräumen am Platz der Vereinten Nationen in Berlin Friedrichshain abliefert. Er wird lediglich aus den Eimern oder Hobböcken in Gläser gefüllt, bekommt ein Etikett der Dachmarke „Berliner Honig“ oder wenn er aus Brandenburg stammt der Marke „Bärengold“, eine Sortenbezeichnung und den passenden Imkerstempel. Die Sortenbezeichnung und die Angabe des Standorts stammt vom Imker selbst, er gibt sie an und haftet dann auch mit seinem Namen dafür, denn der steht schließlich auf dem Glas. Auf der Website der Bärengold GmbH findet man zudem ein kleines Imkerporträt mit ein paar weiteren Informationen.

Zur Haftung, die beim Honigverkauf in Kilomengen und großen Gebinden – Annette und Jemi nehmen Mengen ab 100 Kilo an – an die Honigmanufaktur weiterhin beim Imker bleibt, gehört auch die Qualität. Zwar wird jeder Honig beim Ankauf und vor dem Abfüllen darauf überprüft, ob der Wassergehalt stimmt und zusätzlich prüfen die Bärengold-Mitarbeiter den sortentypischen Geschmack und die Konsistenz. Jeder Imker unterschreibt dennoch ein Formular mit seinen eigenen Honigangaben.

Mit der Gründung des etwas anderen Abfüllbetriebs haben Annette und Jemi aber nicht nur den Aufwand auf sich genommen, ihre Abfüllmaschine zwischen den vielen verschiedenen Honigen immer wieder gründlich reinigen und trocknen zu müssen. Sie wollten den Imkern auch von Anfang an einen fairen Preis anbieten können. So bekommt jeder Imker auch den gleichen Preis für den Honig – egal, um welche Sorte es sich handelt. Eimer und Hobböcke gibt es selbstverständlich zurück. So ist jeder Bärengold-Imker Teil einer Vermarktungsgemeinschaft, deren Honig eine mittlerweile über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Marke bildet.

Vermarktungsgemeinschaft ist übrigens auch das Stichwort, wenn man über die Zukunft der Firma spricht. Denn eigentlich wollten Annette und Jemi von Anfang an keine GmbH, sondern eine Genossenschaft gründen – und das wollen sie auch heute noch. Interessierte Imker können sich gerne bei den beiden melden.

 

Kontaktdaten und mehr über die Firma gibt es online unter berlinerhonig.de

 

Autorin: Jana Tashina Wörrle

Honigverkauf: Wann Steuern fällig werden

 

Seit dem Jahresbeginn 2016 gibt es dafür endlich klare gesetzliche Vorgaben

Anders als bei Brot, Butter oder Marmelade fallen beim Verkauf von Honig nicht zwingend Abgaben an. Bis zu einer bestimmten Anzahl von Bienenvölkern müssen Imker keine oder nur pauschale Steuern zahlen. Ab 2016 gibt es dafür endlich klare gesetzliche Vorgaben.

Für die meisten Hobbyimker ist die Bienenhaltung „Liebhaberei“ – im wahrsten Sinne des Wortes und auch was das Steuergesetz betrifft. Von „Liebhaberei“ spricht man im Zusammenhang mit der Einkommensteuer dann, wenn keine Absicht zur Gewinnerzielung besteht – wenn sich Einnahmen und Ausgaben in etwa ausgleichen. Imker mit weniger als 30 Bienenvölkern haben sich in der Vergangenheit meist darauf berufen. Dass die Imkerei dann als „Liebhaberei“ zu werten ist, wurde als ungeschriebenes Gesetz von einem zum anderen weitergegeben. Die meisten Finanzämter akzeptierten das, obwohl klar ist, dass man mit 30 Bienenvölkern schon eine ordentliche Menge an Honig produzieren kann – definitiv mehr als man selbst verzehren kann. Wirkliche Rechtssicherheit bestand damit bislang jedoch nicht und Imker, die ihren Honig beispielsweise mit Rechnung an Supermärkte verkauften, mussten theoretisch damit rechnen, dass das Finanzamt Steuern verlangt.

Seit dem Jahresbeginn hat sich die Lage nun allerdings geändert, denn mit dem Jahressteuergesetz 2015 gibt es endlich eindeutige Vorgaben für die Bienenhaltung. Das Gesetz gilt seit 1. Januar 2016. Jetzt steht die Anzahl der Bienenvölker gesetzlich fest, die über eine Besteuerung der Einkünfte aus dem Honigverkauf entscheiden. Allerdings gelten auch einige steuerliche Besonderheiten.

 

Nur Wirtschaftsvölker zählen

Grundsätzlich gilt ab dem Steuerjahr 2016: Imker mit höchstens 30 Bienenvölkern müssen keinen Gewinn versteuern, wer bis zu 70 Völker betreut, darf pauschal 1.000 Euro als Gewinn angeben und muss nur darauf Steuern bezahlen. „Bei unter 30 Bienenvölkern passiert einkommensteuerlich gar nichts“, erklärt Steuerfachmann Werner Burkhart, der auch den Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund berät.

Im Klartext: ab 31 Völkern wird die Pauschalsteuer von 1.000 Euro und ab 71 Völkern die reguläre Einkommensteuer fällig. „Gezählt werden allerdings nur Wirtschaftsvölker, deren Honig man erntet, keine Ableger“, fügt Burkhart hinzu.

Mit dem Gesetzestext gilt nun endlich eine rechtlich sichere Grundlage, auf die sich jeder Imker berufen kann – egal, was er mit seinem Honig macht und an wen er ihn, in welcher Form, verkauft. „Ob mit oder ohne Rechnung ist nicht ausschlaggebend“, erklärt der Steuerexperte. Deshalb muss jeder Imker, der weniger als 30 Bienenvölker besitzt, keine Angaben zu den Gewinnen in der Steuererklärung machen. Ratsam ist es trotzdem, Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben zu führen, auch wenn diese nur der eigenen Abrechnung dienen.

Die Einkünfte aus der Imkerei werden bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte jedoch in bestimmten Fällen nur dann angesetzt, soweit sie den Betrag von 900 Euro übersteigen. „Dieser Freibetrag wird dann gewährt, wenn die Summe der Einkünfte, z.B. aus Lohn oder einem Gewerbe, 30.700 Euro nicht übersteigt“, erklärt Werner Burkhart. Der Freibetrag soll ein Existenzminimum absichern. FürEhepaare gilt ein Freibetrag von 1.800 Euro bei der Einkommensgrenze von 61.400 Euro.

 

Steuerlich sind Imker Landwirte

Wer seinen Gewinn aus dem Honigverkauf allerdings nicht versteuert und die Grenze von 30 Bienenvölkern nutzt, kann auch keine Ausgaben steuerlich geltend machen. Gleiches gilt für die Pauschalsteuer auf 70 Bienenvölker. „Wer mehr als 30 und weniger als 70 Völker hat, kann zwischen der pauschalen Angabe von 1.000 Euro als Gewinn und der normalen Abrechnung aller Einnahmen und Ausgaben wählen“, sagt Burkhart. Die Angaben gehören in die Abteilung „Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft“, denn rein einkommensteuerrechtlich ist jeder Imker Landwirt.

Etwas mehr zu beachten haben diejenigen Imker, die aufgrund weiter unternehmerischer Tätigkeiten bereits umsatzsteuerpflichtig sind. Zwar bleiben die Gewinne „Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft“ und sind nur dann verpflichtend der Einkommensteuer zu unterwerfen, wenn die Völkerzahl die genannten Grenzen übersteigt. Hinsichtlich der Umsatzsteuer gilt der Imker allerdings als Unternehmer, der auch eine Umsatzsteuererklärung abgeben muss – unabhängig von der Völkerzahl. Das gilt dann, wenn er mehr als 17.500 Euro Gesamtumsatz tätigt und Produkte zukauft, die er als Imker weiterveräußert.

Hierbei gelten drei Umsatzsteuersätze: Sieben Prozent für zugekaufte Lebensmittel wie z. B. Gummibärchen oder Honig von anderen Imkern. 10,7 Prozent für selbstproduzierten Honig, Pollen oder Rohwachs und 19 Prozent für beispielsweise Honigsalben oder Met. Von dieser Umsatzsteuer kann der Imker die ihm hierfür in Rechnung gestellte Vorsteuer abziehen, sofern die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind.

Verkauft der Imker aber nur seine eigenen Produkte und kauft nichts zu, gilt die pauschale Umsatzversteuerung für Landwirte nach § 24 Umsatzsteuergesetz: „Einer Umsatzsteuer von 10,7 Prozent wird eine pauschale Vorsteuer von 10,7 Prozent gegenübergestellt, so dass letztlich keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen ist“, erklärt der Fachmann.

Die Umsatzsteuer inklusive des geltenden Steuersatzes muss in Rechnungen gesondert ausgewiesen sein. Für all diejenigen, die nicht umsatzsteuerpflichtig sind (Kleinunternehmer mit einem Gesamtumsatz von unter 17.500 Euro) gilt, dass sie für den Verkauf des selbstproduzierten Honigs zwar 10,7 Prozent Umsatzsteuer ausweisen können; für alle zugekauften und weiterveräußerten Waren, darf aber keine Umsatzsteuer angegeben werden. Ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung ist zu empfehlen. Er kann z.B. lauten: „Laut §19 Kleinunternehmergesetz mehrwertsteuerbefreit.“

 

Das muss in der Rechnung stehen

Weitere Pflichtangaben für jede Rechnung sind: Name und Anschrift des Honigverkäufers und des Käufers, Steuernummer oder Umsatzsteueridentifikationsnummer, Ausstellungsdatum, Rechnungsnummer (eine fortlaufende Nummer über das ganze Steuerjahr hinweg), Art und Menge der gelieferten Waren (also des Honigs oder anderer Bienenprodukte) und die Summe als Netto- und als Bruttowert (zwei Mal die selbe Summe, wenn keine Umsatzsteuer anfällt).

 

Ein kleiner Zusatz zu den Neuregelungen 2016

Bei Paaren, Freunden oder Verwandten, die gemeinsam imkern, gilt auch die Grenze von 30 bzw. 70 Bienenvölkern – und zwar gemeinsam. Nur wenn es sich um zwei getrennte Betriebe handelt – also auch eine doppelte Ausstattung mit Schleuder, Werkzeug und weitere Ausrüstung vorhanden ist – und sich die Imkerkollegen quasi nur gegenseitig aushelfen, darf jeder 30 oder 70 Völker besitzen und bleibt steuerfrei bzw. darf pauschal versteuern. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich mit anderen Imkern auszutauschen, sich zu helfen oder auch mal Werkzeug zu verleihen.

Honigwissen hinterfragt

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Honig gilt als gesund, trotzdem dürfen ihn Säuglinge nicht essen. Honig wirkt antibakteriell, aber trotzdem kann er Karies verursachen. Honig ist ein reines Naturprodukt, Veganer verzichten trotzdem darauf. Warum? Diese und andere Honig-Fakten, die scheinbar jeder kennt, aber nur wenige erklären können, haben wir hinterfragt. Honigexperte Dr. Werner von der Ohe, Leiter des LAVES Institut für Bienenkunde Celle, hilft bei der Aufklärung.

 

Ist Honig wirklich gesünder als Zucker und wie steht er im Vergleich zu anderen Süßungsmitteln da?

Anders als raffinierter Kristallzucker, der ausschließlich aus Saccharose besteht, enthält Honig viele verschiedene Zuckerarten (Einfach- und Mehrfachzucker) wie weit überwiegend Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Glucose) und ist damit leichter verträglich als reine Saccharose, die der Körper noch aufspalten muss. Zusätzlich enthält er ein breites Spektrum an Mineralstoffen, Enzymen, Aminosäuren und Proteinen, die im normalen Haushaltszucker fehlen und ihn in diesem Vergleich ungesünder machen. Nimmt man nun andere alternative Süßungsmittel dazu, dann ist der Unterschied nicht mehr ganz so groß, denn auch Agaven- und Birnendicksaft oder Ahorn – und Zuckerrübensirup enthalten mehr gesunde Stoffe und verschiedene Zuckerarten als reiner Kristallzucker. Doch Honig ist und bleibt der Spitzenreiter. „Honig ist von seiner Gesamtzusammensetzung wertvoller als die anderen Süßungsmittel. Das zeigt sich allein daran, dass er die Biene im Winter mit allem versorgt, was sie zum Leben braucht “, sagt Werner von der Ohe. In der Bienensaison benötigen sie nur zusätzlich Pollen.

 

Honig wirkt antibakteriell. Muss ich also nach dem Honignaschen nicht die Zähne putzen?

Doch das sollte man trotzdem tun. Denn Honig enthält zwar Stoffe, die antibakteriell wirken – vor allem Enzyme, aber auch Säuren und einzelne Stoffe, die sich aus dem Propolis lösen, das die Bienen als dünne Schicht auf den Honigwaben auftragen (hier sind beispielsweise Flavonoide zu nennen). Trotzdem ist der Hauptbestandteil des Honigs Zucker und der fördert Karies und andere Zahn- und Zahnfleischerkrankungen. Die keimhemmende Wirkung des Honig zeigt sich nach Angaben des Honigexperten auch darin, dass der Honig konservierend wirkt und sich Hefen kaum vermehren können. „Dafür sorgen die Bienen, indem sie den Wassergehalt des Honig reduzieren, bevor sie ihn einlagern“, sagt von der Ohe.

 

Im Zusammenhang mit antibakteriell wirkendem Honig wird dem Manuka-Honig eine besondere Rolle zugesprochen. Warum?

Manuka-Honig kommt aus Neuseeland und besteht aus dem Nektar der Manuka-Pflanze. Dieser Nektar bzw. der daraus entstehende Honig besitzt besonders viele Inhaltsstoffe, die antibakteriell wirken – vor allem der Wirkstoff Methylglyoxal (MGO), den man so einfach nicht in jedem Honig findet. „Vor allem nicht in so einer hohen Konzentration“, sagt von der Ohe. Wissenschaftler haben verschiedene einheimische Honigsorten untersucht, um herauszufinden, ob es in der antibakteriellen Wirkung Unterschiede gibt und ob eine Sorte an die Werte von Manuka-Honig heranreicht. Das Fazit des Experten: Beim einheimischen Honig sollte man die Sorte nach dem Geschmack wählen, da die antibakterielle Wirkung sich wenig unterscheide. An die von Manuka-Honig reicht sie nicht heran. Eine neue Initiative unter dem Mainzer Wissenschaftler Professor Günter Kamp hat allerdings gerade erst bekannt gemacht, dass sie ein neues Gütesiegel auf den Markt bringen will, das die antibakterielle Wirkung auch von einheimischem Honig bestätigt. Die Wissenschaftler messen die sogenannte GOX-Aktivität, die Aktivität des Enzyms Glucoseoxidase. Den Wert können Imker dann auf dem Honigglas angeben. Er muss zwischen 50 und 300 Millieinheiten pro Gramm liegen. Werner von der Ohe hält davon nicht viel, denn die Glucoseoxidase ist sehr licht- und temperaturempfindlich, so dass der auf dem Etikett präsentierte Wert wahrscheinlich nach kurzer Zeit von dem Honig nicht mehr eingehalten wird.

 

Wenn Honig so gesund ist, warum sagt man dann, dass man ihn Säuglingen nicht geben darf?

Die Empfehlung für den Verzicht gilt für Babys im ersten Lebensjahr. In diesem frühen Alter ist das Darmmilieu noch nicht so aufgebaut wie bei Erwachsenen. Bakteriensporen, die im Darm von Kindern und Erwachsenen nicht aktiv werden könen, gehen im Darm von Säuglingen sehr wohl in die aktive Form über. Die offizielle Empfehlung zum Honigverzicht bezieht sich allerdings nur auf einen ganz bestimmter Erreger, dessen Sporen für Erwachsene völlig ungefährlich sind und sich bei Säuglingen negativ auswirken können, wenn sie auskeimen und ein Gift produzieren: Clostridium botulinum. „Säuglinge sollten deshalb keine ungekochte Nahrung zu sich nehmen. Die Gefahr besteht für jegliche Rohkost und nicht nur für Honig“, sagt dazu der Bieneninstitutsleiter. Wie hoch die Vergiftungsgefahr durch Honig für Säuglinge (auch Säuglingsbotulismus genannt) allerdings wirklich ist, ist unklar, da nur wenige Fälle bekannt sind, in denen bewiesen wurde, dass sie durch Honig entstanden ist. „Wir haben Honig auf seine Sporenbelastung mit Clostridium botulinum untersucht und dabei zeigte sich, dass ihn rund zehn Prozent des Honigs im normalen Handel enthält und nur etwa ein Prozent des Honigs, den wir direkt von den Imkern bekommen haben“, erklärt von der Ohe. Das Bakterium werde zufällig von den in der Außenwelt aktiven Bienen eingetragen. Es habe nichts mit der Hygiene in Imkereien zu tun.

 

Warum essen Veganer keinen Honig?

Honig ist ein reines Naturprodukt, aber genau genommen eben ein tierisches. Er besteht zwar in erster Linie aus Blütennektar, doch die Bienen sammeln diesen nicht nur, sondern sie fügen ihm bei der Bearbeitung vor dem Einlagern auch körpereigene Stoffe hinzu, indem sie den Nektar durch eine lange Futterkette im Stock zu Honig umarbeiten. Dies geschieht vor allem durch die Zugabe von bieneneigenen Enzymen. Strenge Veganer argumentieren zudem, dass es nicht in Ordnung sei, den Bienen ihre Vorräte zu entnehmen, die sie schließlich für sich selbst und nicht für den Menschen sammeln.

 

Dürfen Diabetiker Honig essen? Ist er besser verträglich für sie als normaler Zucker?

Da Honig zum größten Teil aus Zucker besteht, müssen Diabetiker beim Verzehr genauso auf ihre Insulinwerte achten, wie wenn sie Kristallzucker zu sich nehmen. Ob sie Honig essen dürfen, sollten sie am besten mit dem Arzt besprechen, rät von der Ohe. Doch es gibt trotzdem Unterschiede bzw. eine positive Wirkung, wenn Diabetiker Honig als Süßungsmittel bevorzugen. „Honig lässt den Insulinspiegel langsamer und gleichmäßiger ansteigen. Das ist grundsätzlich gesünder“, erklärt der Experte. Honig habe einen niedrigeren glykämischen Index.

 

Damit Honig seine guten Inhaltsstoffe behält, sollte man ihn kühl, trocken und dunkel lagern. Also, warum nicht in den Kühlschrank oder gar ins Tiefkühlfach stellen – was passiert darin mit dem Honig?

Kühl lagern sollte man Honig, weil seine guten Inhaltsstoffe bei zu hohen Temperaturen über 40 Grad geschädigt werden – vor allem die Enzyme und Vitamine. Trocken bleibt er schon allein dann, wenn man das Honigglas mit dem Deckel verschließt. Dunkel sollte er dagegen stehen, weil die in ihm enthaltenen Enzyme (speziell die Glucoseoxidase) durch Sonneneinstrahlung, aber auch die elektrische Innenraumbeleuchtung, kaputt gehen. Umso länger der Honig dem Licht ausgesetzt ist, umso mehr Stoffe gehen verloren. „Am besten lagert man den Honig in einen Keller- oder Vorratsraum ohne Fenster oder die Gläser in einem Karton“, so von der Ohe. Er rät zu einer Temperatur von 15 bis höchstens 18 Grad. Ist es wärmer, leidet langfristig die Qualität des Honigs. Bei kälteren Temperaturen – wie etwa im Kühlschrank oder im Tiefkühlfach – ergibt sich dagegen kein weiterer Vorteil als bei der Lagerung um die 15 Grad. Das einzige, was sich verändern kann, ist die Konsistenz des Honigs. „Im Kühlschrank wird er zäher, da sich die Viskosität der flüssigen Bestandteile ändert“, so der Institutsleiter. Flüssiger Honig werde bei Zimmertemperatur aber wieder fließender. Frischer, noch flüssiger Honig, der durch einen hohen Glukoseanteil zum Auskristallisieren neigt, kann im Kühlschrank oder im Tiefkühlfach allerdings schneller zu kristallisierten beginnen. Von lichtundurchlässigen Gläser hält der Honigexperte übrigens genauso wenig wie die meisten Imker. „Der Verbraucher möchte den Honig sehen, seine Farbe und seine Konsistenz“, sagt er und weist auf seine Erfahrungen hin, die zeigen, dass neben der Regionalität auch die Sorte wichtig sei beim Honigkauf. Weiteres Argument: Vor einer Erwärmung schützt ein dunkles Honigglas auch nicht.

 

Kristallisierter Honig kann im Wasserbad wieder verflüssigt werden. Kann ich zum Verflüssigen auch die Mikrowelle nutzen?

Eine Mikrowelle funktioniert nach folgendem Prinzip: Durch elektrische Mikrowellen werden Wassermoleküle in Schwingung versetzt. Die Moleküle reiben dadurch aneinander und erzeugen Wärme. Das geschieht sehr schnell und damit ist die Gefahr hoch, dass der zu erhitzende Stoff wärmer wird als gewollt. Bei Honig hat das gravierende Folgen, denn bei über 40 Grad Celsius gehen die meisten Enzyme im Honig kaputt und dieser verliert einen Teil seiner gesunden Wirkung.  Zwar kann das auch im Wasserbad geschehen, doch dabei hat man meist eine bessere Kontrolle. „Beim Erwärmen in der Mikrowelle hat man die Temperatur nicht steuern und da Honig eine schlechte Wärmeleitfähigkeit hat, würde er an einigen Stellen schnell sehr heiß werden, bevor alle Bereiche verflüssigt sind“, sagt von der Ohe. Sein Tipp für Honigesser: Honig gar nicht erst erwärmen müssen, sondern frisch kaufen und aufessen. Also nur so viel Honig kaufen, dass er seine Konsistenz behält und nicht grob auskristallisiert oder gar richtig hart wird.

 

Werner von der Ohe ist Autor des Buchs „Honig -Entstehung, Gewinnung, Verwertung“, das es aucb im Beekeepers-Shop zu kaufen gibt.

Weitere Informationen vom LAVES Institut für Bienenkunde Celle gibt es unter bieneninstitut.de.

 

Fotos: Jana Tashina Wörrle

 

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Beutenkäfer

Wie bedrohlich der Kleine Beutenkäfer wirklich ist

 

Er ist etwa 0,5 Zentimeter groß, also kleiner als eine Honigbiene. Er sorgte im vergangenen Jahr für große Schlagzeilen, als er in Süditalien entdeckt wurde. Und noch immer fragen sich viele Imker hierzulande, ob er auch für sie zur Bedrohung werden kann.

 

Der Kleine Beutenkäfer kam einst über Importe von Bienenvölkern aus Afrika in die USA und richtete dort großen Schaden an. Nun hat er Europa erreicht. In Kalabrien und auf Sizilien wurden deshalb ganze Bienenstände – unter staatlicher Aufsicht – vernichtet. Darüber berichtete das Deutsche Bienen-Journal und erklärte auch, warum und wie der kleine Käfer Bienen und Honig schädigt.

 Genau genommen sind es nämlich gar nicht die Käfer selbst, sondern deren Larven, die den Schaden anrichten. Diese werden etwa einen Zentimeter lang und ernähren sich unter anderem von Bienenbrut. Zugleich sorgen ihre Ausscheidungen dafür, dass der Honig gärt und aus den Waben tropft.

 

Beutenkäfer vermehren sich rasant, fliegen von Beute zu Beute und legen rund 100 Eier pro Tag – wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. Sie verstecken sich in Ritzen und Rillen der Beuten. Nach dem Erreichen des letzten Larvenstadiums verlassen die Tierchen die Beute und graben sich in den Boden meist unweit der Bienenstöcke ein. Nach einigen Wochen schlüpfen dann die Käfer aus der Erde. Das ist auch der Grund, warum beim Vernichten befallener Bienenstände der Boden rund um die Beuten umgegraben werden muss.

 

Die Beutenkäfer lassen sich – anders als die Varroa oder die Wachsmotte – nicht durch Ameisen- oder Essigsäure bekämpfen. Doch ganz hilflos sind Imker nicht, wenn sie die Käfer im eigenen Bienenstock entdecken sollten. Man hat festgestellt, dass gesunde, starke Bienenvölker selbst gegen die Käfer aktiv werden und Eier und Larven aus dem Stock räumen.

 

Aber sind allein starke Bienenvölker ein Erfolgsrezept gegen den Beutenkäfer und wie groß ist die Bedrohung wirklich? Dr. Sebastian Spiewok, Biologe und Redakteur beim Deutschen Bienen-Journal gilt als Experte, wenn es um den Kleinen Beutenkäfer geht. Er beantwortet fünf wichtige Fragen.

 

Fünf Fragen an Dr. Sebastian Spiewok

 

Der Beutenkäfer wurde in Italien entdeckt. Wie kam er dorthin und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich weiter ausbreitet und auch zu uns kommt?

 

Spiewok: Darüber, wie er nach Italien kam, kann man nur mutmaßen. Sehr wahrscheinlich sind illegale Bienenimporte der Grund. Bekannt ist aber auch, dass er in Schwärmen von wilden Bienen auftreten kann  – die hängen manchmal an Frachtcontainern. Wenn sich der Kleine Beutenkäfer in Italien etabliert und dort größere Populationen aufbaut, wird er auch zu uns nach Deutschland kommen. Als Hauptausbreitungswege muss man hier ganz klar Wanderimkereien und Paketbienen nennen. Ausschlaggebend für eine Etablierung des Käfers in Italien werden neben den Bekämpfungsmaßnahmen auch die nächsten Winter sein bzw. wie kalt es wird und wie viele Käfer überleben. Der Beutenkäfer bevorzugt ein feucht-warmes Klima. Das ist auch der Grund, warum der Süden Europas ein größeres Problem mit dem Schädling haben könnte als der Norden.

 

Wie und wo kann man sich als Imker über die Ausbreitung aktuell informieren?

 

Spiewok: Die italienischen Behörden stellen im Internet Informationen über Fundorte bereit. Hier gibt es auch eine Karte, auf der man erkennen kann, wo es aktuell Probleme gibt. Sie ist unter http://www.izsvenezie.it/aethina-tumida-in-italia/ zu erreichen.

 

Die Varroa-Milbe stellt wohl den größten Schädling für die Bienen dar. Schaden an den Bienenstöcken bzw. dem Imkermaterial hinterlässt aber auch die Wachsmotte. Welchem dieser beiden Schädlingen kommt der Beutenkäfer am ehesten nahe von der Bedrohung?

 

Spiewok: Von den Folgen, die der Befall mit Varrose hat, ist die Bedrohung durch den Kleinen Beutenkäfer weit entfernt. Aber auch mit Wachsmotten lässt er sich schwer vergleichen, wenn auch das, was er anrichten kann, diesem Schädling eher nahe kommt. Wegen des Beutenkäfers braucht kein Imker in Panik zu verfallen, aber trotzdem ist es wichtig informiert und vorbereitet zu sein, falls Käfer bei uns auftauchen.

 

Es heißt, dass Imker mit starken Völkern, die eine intensive Hygiene am Bienenstand betreiben, besser vor dem Beutenkäfer geschützt sind als andere. Stimmt das und wie kann man einem Befall ansonsten noch vorbeugen?

 

Spiewok: Wichtig sind starke und gesunde Bienenvölker. In den Beuten sollten möglichst alle Brut- und Vorratswaben mit Bienen besetzt sein, sodass die Larven des Käfers keine Chance haben heranzuwachsen. Der Käfer selbst lebt in Nischen und Ritzen und diese sollte man ihm nicht bieten. Also am besten jeden Überbau entfernen und alle Lücken, die sich irgendwo ergeben, schließen. Im Handel gibt es auch spezielle Fallen, mit denen man den Beutenkäfer bekämpfen kann. Vorsorglich alle Völker damit auszustatten, halte ich allerdings für übertrieben. Hilfreich kann auch ein Tuch aus Vlies sein, das man auf die Oberträger legt. Die Käfer suchen unter dem Tuch Schutz vor den Bienen und verfangen sich dabei in  ausgefransten Fasern. Das ist simpel aber sehr effektiv, und wird in Australien von den Imkern angewendet. Das wäre aber nur bei einem Befall nötig.

 

Was wäre zu tun, wenn man den Verdacht hat, dass sich ein Beutenkäfer im Bienenstock eingenistet hat?

 

Spiewok: Ein Befall bzw. schon der Verdacht ist anzeigepflichtig. Man sollte sich dann beim zuständigen Veterinäramt, beim nächstgelegenen Bieneninstitut oder bei einem Bienensachverständigen melden. Gut wäre es, wenn man den verdächtigen Käfer fangen kann, ihn entweder einfriert oder in Alkohol einlegt und dann an das Veterinäramt oder das Bieneninstitut schickt, die dann prüfen, ob es sich tatsächlich um einen Kleinen Beutenkäfer handelt. Bestätigt sich der Verdacht, wird wie bei einem Befall mit Faulbrut ein Sperrbezirk ausgerufen. Normalerweise wären es drei Kilometer. In Italien haben die Behörden die Sperrbezirke auf 20 Kilometer ausgeweitet, und ich könnte mir vorstellen, dass das bei uns im Falle eines Falles auch geschehen könnte. Tritt der Käfer punktuell in Deutschland auf, würde der betroffene Bienenstand wahrscheinlich komplett vernichtet. Alle anderen Bienenstände im Sperrbezirk würden dann sehr genau kontrolliert werden.

 

Veranstaltungstipp zum Thema: „Der Beutenkäfer in Kalabrien: Die Bekämpfungsstrategie von Veterinärbehörden und Imkerverbänden, aktueller Stand, Situation der betroffenen Imker“ mit Francesco Artese, Präsident des kalabresischen Imkerverbandes FAI am Donnerstag, den 26. November 2015, von 19.30 bis 22.30 Uhr, im orangelab am Ernst-Reuter-Platz 2 in 10587 Berlin

Die Varroa-Milbe

Varroa-Milbe: Das größte Imker-Problem weltweit

 

Wie ein Parasit den Weg in die westliche Imkerei fand

 

Sie lebt in den Bienenvölkern und vermehrt sich unter den Zelldeckeln der Bienenbrut. Die Varroa-Milbe bedroht seit den 70er Jahren immer stärker die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Denn sie ist nicht wie die Asiatische Biene (Apis cerana) resistent gegen den Parasiten. Bienenforscher versuchen resistente Bienen zu züchten. Eine Eigenschaft der Asiatischen Biene dient dabei als Vorbild – andere will man dagegen hierzulande nicht haben.

 Der Apis cerana kann die Varroa-Milbe quasi nichts anhaben. Sie wirft sie einfach aus dem Bienenstock bzw. die Arbeiterinnen putzen die verdeckelten Brutzellen aus, in denen sich die Milben auf den Puppen festgebissen haben. So kann sich der Parasit nicht stark vermehren und das Bienenvolk nicht so stark belasten. Vor allem wegen dieser Eigenschaft gilt die Asiatische Biene als resistent gegen die Varroa-Milbe.

 

Anders sieht es hierzulande aus. Seitdem es die Varroa-Milbe in der 70er Jahren bis in die westlichen Klimazonen schaffte, breitet sie sich immer mehr aus und bedroht die Völker der Apis mellifera, die von Natur aus keinen so starken Putztrieb besitzen und den Parasiten nicht schon aus dem Zellen entfernen. Die Varroa-Milben machen die Bienen anfälliger für Krankheiten und sorgen seit ihrem ersten Erscheinen bei uns dafür, dass immer wieder viele Bienenvölker die Winter nicht überleben. Imker sind gezwungen ihre Völker im Herbst gegen die Milben zu behandeln, denn es gibt quasi kein Bienenvolk mehr, dass komplett milbenfrei ist.

 

Die Milben vermehren sich rasant. Als Faustregel gilt: Die Anzahl der Varroa-Milben in einem Bienenvolk verdoppelt sich in jedem Monat, in dem Brut gepflegt wird. „Heute ist die Varroa-Milbe das mit Abstand größte Imker-Problem weltweit“, sagt auch Dr. Kaspar Bienenfeld vom brandenburgischen Bieneninstitut in Hohen Neuendorf. Er forscht seit vielen Jahren zum Thema Varroa und versucht derzeit in einem neuen Projekt, Apis mellifera durch Züchtung resistent gegen die Milbe zu machen.

 

Dass die Milben überhaupt zu uns gelangen konnten, liegt übrigens an den Imkern selbst, die mit ihren Völkern immer weitere Strecken gewandert und von Asien weiter Richtung Westen vorgedrungen sind. Dazu kommt, dass belastete Bienen sich auch immer wieder verfliegen und sich in unbelastete Völker einbetteln. Schritt für Schritt fand die Varroa den Weg zu uns und wurde hier in den 70er Jahren als Problem identifiziert.

 

„Apis cerana und mit ihr auch die Varroa-Milbe sind eigentlich in wärmeren Gebieten beheimatet“, erklärt Forscher Bienenfeld. Der Parasit hat es über die Jahre bis zu uns geschafft. Statt der Westlichen Honigbiene die Varroa-resistente Asiatische Biene hierzulande anzusiedeln, stand jedoch nie zur Option. „Apis cerana kommt nur in Asien vor und ist auch dort auf dem Rückzug“, sagt Bienefeld und verweist darauf, dass diese Bienenart aus Sicht vieler Imker einige ungute Eigenschaften habe. So lege sie weniger Brut an, bringe weniger Honig und neige zum sogenannten Absconding, bei dem das ganze Bienenvolk einfach aus der Beute verschwindet, wenn ein Problem – etwa eine Krankheit, Räuberei oder zu wenig Futter – auftritt. „Außerdem wäre es wegen der Biodiversität und dem Erhalt der heimischen Art verboten, die Asiatische Biene hierzulande einzuführen“, erklärt Bienefeld.

 

 Zum Vorbild nimmt der Bienenforscher den Putztrieb von Apis cerana aber dennoch und versucht, diesen auch bei Apis mellifera anzuregen bzw. durch gezielte Züchtung zu verstärken. Dafür hat das Bieneninstitut verschiedene Forschungsprojekte gestartet – gerade erst kürzlich das neue Projekt „GeSeBi“, von dem Imker künftig auf relativ einfache Weise profitieren können sollen. Wenn alles klappt, könnte jeder Imker in Zukunft einen Gentest von nur einer Biene machen lassen und so erfahren, ob sie von einer Königin abstammt, die einen guten Putztrieb besitzt und so in Richtung Varroa-Resistenz tendiert. Gezielte weitere Züchtung mit Blick auf dieses Merkmal könnte dann irgendwann dazu führen, dass auch Apis mellifera resistent gegen Varroa-Milben wird.

 

Das sind jedoch noch Zukunftspläne. Derzeit sind die Forscher noch auf der Suche nach den Genen, die das Hygieneverhalten beeinflussen. „Grundlage der Forschung ist, dass wir die Bienen im Stock mit Infrarot-Kameras beobachten und so erkennen, welches Volk schon einen stärkeren Putztrieb hat. Hier setzt dann die Züchtung an“, sagt Kaspar Bienenfeld, der das Projekt leitet. Bienen können infrarotes Licht nicht sehen und werden dadurch nicht gestört. Die aktiven Arbeitsbienen eines solchen Volkes werden per Genanalyse untersucht.

 

Ziel ist es, die für das Verhalten verantwortlichen Gene zu finden und später mit moderner DNA-Chip-Technologie effizient und kostengünstig an großen Völkerzahlen zu erfassen. Über diesen Chip soll dann per Schnell-Check ein Zuchterfolg überprüft werden können. Um dem Ziel näher zu kommen untersuchen die Bienenforscher derzeit das Erbgut von rund 3.000 Völkern aus ganz Deutschland.

 

„Langfristiges Ziel ist es auch, irgendwann auf den Einsatz der organischen Säuren verzichten zu können“, fügt Bienefeld an. Zwar sei die Behandlung mit Ameisensäure im Herbst und mit Oxalsäure im Winter derzeit noch immer die beste Methode, um die Ausbreitung der Varroa-Milbe einzudämmen. Sie sei aber stark abhängig von Umweltbedingungen wie Wetter und Luftfeuchtigkeit und so nicht 100 Prozent zuverlässig.